Was ist ein MES
(Manufacturing Execution System)?

Verabschieden Sie sich mit einem MES vom Fertigungs-IT-Flickenteppich

Das MES als integrierte Lösung für ein effizientes Informationsmanagement in der Fertigung

Ein MES oder Manufacturing Execution System ist ein integriertes bzw. ganzheitliches Software-System, um die Produktion vom Wareneingang bis zur Auslieferung des fertigen Produktes zu managen. Also kurz gesagt, die eierlegende Software-Wollmilchsau der Produktions-IT. Denn mit einem MES decken Sie so ziemlich alle wichtigen Aufgaben des Informationsmanagements in der Produktion ab:

  • Die Dokumentation bzw. Erfassung von Produktions-Daten, z.B. von Arbeitsgängen und Qualitätsprüfungen
  • Das Monitoring, Tracking und Tracing der Fertigung, insbesondere von Fertigungsaufträgen und Materialbewegungen
  • Die Planung, Steuerung und Optimierung von Arbeitsgängen und anderen Produktions-Abläufen
  • Die Verwaltung von Ressourcen, z.B. von Maschinen, Werkzeugen und Prüfmitteln, aber auch produktionsnahe Personalstammdaten, wie z.B. Zusatzqualifikationen zur Durchführung von besonderen Qualitätsprüfungen
  • Die Analyse und das Reporting der Produktion, z.B. in Form einer Fehlerschwerpunktanalyse zur Auswertung von Prozessstörungen und Kennzahlensystemen – allen voran die Berechnung der OEE-Kennzahl
  • Das produktionsnahe Energiemanagement, ggf. nach ISO 50001, um Energiedaten bzw. -verbräuche zu erfassen, zu monitoren, zu analysieren und damit verbundene Stammdaten zu pflegen

Dadurch können Sie mit einem MES genau die Aufgaben umsetzen, die für die eher betriebswirtschaftlich orientierten ERP-Systeme der Unternehmensleitebene zu produktionsnah sind. Auf der anderen Seite müssen Sie die eher technisch bzw. prozessnahen Steuerungs- und Automatisierungssysteme nicht mit der Fertigungssteuerung bzw. -management überfrachten.

Das MES als Vermittler zwischen ERP-System und Shopfloor

Diese Aufgabenverteilung sieht die International Society of Automation (ISA) übrigens genauso und platziert MES-Lösungen auf dem sogenannten Level 3 des ISA-95 Standards zwischen ERP-Systemen (Level 4) und dem Shopfloor bzw. der Fertigungsausführungsebene (Level 0, 1 und 2). In der betrieblichen Praxis kommt es allerdings oftmals zu einer Durchmischung der einzelnen Ebenen, da auch Software-Lösungen zur Unterstützung der Fertigungsausführung und Automatisierung von den Daten eines MES profitieren, z.B. bei der Validierung von manuellen Eingaben. Über spezielle Software-Lösungen, z.B. für die Betriebsdatenerfassung, das Energiemanagement oder dem Qualitätsmanagement müssen Sie sich also in Ihrer Produktion theoretisch dank eines MES keine Gedanken mehr machen.

8 Vorteile von MES-Lösungen, die Ihnen helfen Ihre Produktion zu optimieren

Von Durchlaufzeiten, Termintreue und Umlaufbeständen

Warum zum Teufel stopfen Unternehmen nun aber Ihre komplette Produktionsleitebene in eine integrierte MES-Lösung? Ist man da nicht viel zu abhängig und unflexibel? Zum einen provozieren Sie mit der richtigen MES-Architektur keinen Vendor Lock und können agil auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren, auf der anderen Seite bestechen MES-Lösungen durch eine Reihe an unschlagbaren Vorteilen:

  • Das Big Picture – Die Produktion ist nun mal ein Wertstrom, in dem alles mit allem irgendwie zusammenhängt: Mitarbeiter, Maschinen, Lager, Intralogistik usw. Entsprechend hilft nur eine integrierte, ganzheitliche Datenbasis, um den Überblick zu behalten und Zusammenhänge zu erkennen.
  • Mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit: Warum wurde der Fertigungsauftrag abgebrochen oder zu spät ausgeliefert? Warum mussten Ihre Anlagenfahrer die Maschine anhalten? Warum kommt es vermehrt zu Reklamationen, obwohl wir sehr penibel auf unsere fertigungsbegleitende Qualitätsprüfung achten? Ja. Mit einem MES lässt sich ein Prozess auch nach einer längeren Zeit noch nachvollziehen.
  • Wer Umsatz will, muss umsetzen und das bitte möglichst schnell. Mit einem MES reduzieren Sie die Zeitverschwendung und steigern die Durchlaufzeiten, die durch Informationsbeschaffung und -verarbeitung anfällt. Außerdem hilft die integrierte Datenbasis Ihnen, ineffiziente oder instabile Prozesse leichter aufzuspüren.
  • Ihre Kunden werden sich freuen: Wer mit Hilfe seines MES immer weiß, welcher Auftrag sich wo und in welchem Zustand befindet, kann auch durch präzisere Lieferzeiten und einer erhöhten Termintreue punkten – und wer schneller liefert, wird auch schneller bezahlt.
  • MES-Lösungen reduzieren die Umlaufbestände bzw. den Work in Progress (WIP). Denn wer mit stabilen Prozessen schneller produziert, braucht auch weniger Material kürzer zwischenzulagern. Das macht sich natürlich auch im Geldbeutel bemerkbar.
  • Endlich kein Papierkram mehr – Mit einem MES realisieren Sie weitestgehend eine papierlose Produktion. Je nach Anwendungsfall, kann es aber natürlich auch sinnvoll sein, den Bericht, das Excelsheet oder andere Dokumente auszudrucken, wie es häufig bei Standard-Arbeitsblättern, Arbeitsanweisungen oder KVP- bzw. Shopfloor Boards der Fall ist. Dann allerdings mit einer validen und konsolidierten Datenbasis, anstatt Wildwuchs durch manuelle Freitexte.
  • Spezielle Software-Lösungen, z.B. für einen Handarbeitsplatz oder eine Maschine, sind technisch durchaus sinnvoll, wenn Sie der Fertigungsausführung dienen. Mit einem MES verhindern Sie, dass diese zu singulären Optimierungen führen, die zwar die Durchlaufzeiten für einen Prozess, z.B. einen Arbeitsgang erhöhen, aber auf der anderen Seite vielleicht zu einem höheren Materialbestand führen. Das bringt nun wirklich niemandem etwas.
  • Qualitätssteigerung und Prozessstabilität: Mit MES-Software sorgen Sie zum einem für eine leichtere Integration von Qualitätsprüfungen in Ihre Fertigung, z.B. beim Warenein- bzw. -ausgang. Zum anderen vermeiden Sie mit Hilfe von Validierungs-Funktionen ärgerliche Verzögerungen oder sogar Fehler durch fehlerhafte Datenein- und -ausgaben.

Kurz: Eine MES-Lösung kann den Informationsfluss und die einhergehenden Materialbewegungen und Kosten optimieren, für mehr Prozessstabilität sorgen und somit den Wertstrom effektiver und effizienter gestalten.

Die Funktionen einer MES-Lösung

Von BDE, Tracking & Tracing bis zur Qualitätssicherung

Die vielen Vorteile eines MES (Manufacturing Execution Systems) kommen natürlich nicht von ungefähr. Denn schließlich stecken solche Lösungen voller Funktionen, um den gigantischen Informationsbedarf der Produktion abzudecken. Das wollen wir uns doch mal näher anschauen und einen Blick auf die typischsten Teil-Funktionen bzw. Module einer MES-Lösung werfen:

  • Betriebsdatenerfassung
  • Fertigungsgrobplanung und Fertigungsfeinplanung
  • Material- und Produktionslogistik
  • Tracking und Tracing
  • Technologie-, Rezepturen- und Einstelldatenmanagement
  • Personalmanagement
  • Energiemanagement
  • Qualitätsmanagement
  • und einige Beispiele für unternehmensspezifische Module

Betriebsdatenerfassung (BDE) – Ohne Produktions-Daten auch kein MES

Die Betriebsdatenerfassung ist üblicherweise das Herzstück jeder MES-Lösung. Kein Wunder. Denn wer Fertigungsaufträge planen, ausführen, validieren und nachvollziehen oder Transportaufträge und Maschinendaten zur Optimierung von Durchlaufzeiten auswerten möchte, braucht vor allem eines: Daten. Und davon gibt’s reichlich in der Produktion. Demzufolge ist es auch nicht verwunderlich, dass die Betriebsdatenerfassung oftmals eine ganze Bandbreite an Funktionen zur Erfassung, Anzeige und Monitoring mitbringt:

  • Auftragsdatenerfassung: Mit der Auftragsdatenverarbeitung können Ihre Produktionsmitarbeiter je nach Informationsbedarf und gesetzlichen Rahmenbedingungen den Bearbeitungszustand und Verbleib von Fertigungsaufträgen manuell via Eingabe-Formular einer Software-Lösung oder noch besser halbautomatisch mit einer Barcode-Lösung erfassen.
  • Maschinendatenerfassung: An die Maschinendatenerfassung denken viele zuerst, wenn es um BDE-Lösungen geht. Hierunter versteht man Software-Lösungen zur Integration von Betriebsdaten, wie z.B. Maschinengeschwindigkeit, Temperaturen oder Stückzähler, die Sie mit Hilfe von Industrie-Protokollen, wie z.B. OPC-UA, MTConnect oder dem guten alten Modbus, aufzeichnen. Alternativ kann ähnlich, aber natürlich auch eine manuelle oder halbautomatische Erfassung, z.B. mittels Schicht- oder Maschinenprotokoll, erfolgen. Eine sehr anspruchsvolle Disziplin, für die oftmals sogar dedizierte Software-Lösungen, wie der KEPServerEX oder zenon SCADA notwendig sind, die anschließend häufig auch noch durch eine Softwareentwicklung, z.B. mit .NET-Technologien, angepasst werden, um auch unternehmensspezifische Anforderungen abzudecken.
  • Prüfdatenerfassung: Niemand mag unzufriedene Kunden oder Auditoren, die Qualitätsmängel der Produktion und damit meistens auch des Produktes feststellen. Denn Reklamationen sind teuer und schaden dem Image. Entsprechend müssen Sie Qualitätsprüfungen, z.B. Sichtprüfungen, durchführen und natürlich auch die Ergebnisse dokumentieren, um für den Streitfall gerüstet zu sein – was natürlich niemand will, aber sicher ist sicher und oftmals auch gesetzlich bzw. vertraglich vorgeschrieben. Die Prüfdatenerfassung können Sie übrigens auch zum Qualitätsmanagement zählen.

Fertigungsgrobplanung und Fertigungsfeinplanung – Gut geplant ist halb gewonnen

Was nützen Fertigungsaufträge, wenn weder Material, noch Maschinen oder Personal zu Verfügung stehen? Um zu verhindern, dass Ihre Produktion im Chaos versinkt, müssen die entsprechenden Produktionsfaktoren geplant werden. Ebenso muss eine Überwachung des Arbeitsfortschritts möglich sein. Dafür sorgen in einem MES folgende Funktionen:

  • Plantafeln
  • Auftragsnetze
  • Fertigungssimulationen
  • Fertigungsvarianten
  • Schichtkalender und -pläne

In diesem Zusammenhang wollen wir natürlich nicht unerwähnt lassen, dass diese Funktionen auch ein SAP ERP, z.B. mit dem SAP-Modul SAP APO (Advanced Planner and Optimizer), mitbringt. Ihre MES-Lösung würde in diesem Fall via RFC oder OData auf diese Daten bei Bedarf zugreifen.

Material- und Produktionslogistik – Den Wertstrom im Blick

In der Material- und Produktionslogistik einer MES-Lösung werden die Bestände und Umlaufbestände der Produktion verwaltet. Und das aus gutem Grund, denn schließlich bilden Materialkosten den größten Kostenblock in der Industrie. Folgende Funktionen werden in der Material- und Produktionslogistik realisiert:

  • Material- und Bestandsverwaltung
  • Intralogistik
  • Bestandsmonitoring
  • Verfallsdaten- und ggf. Gefahrstoffdatenverwaltung

Tracking und Tracing – Bei Fragen Rede und Antwort stehen

Die Produktion ist ein Wertstrom, bestehend aus Informationen, Material und Kosten. Und damit man zu jedem Zeitpunkt weiß, wo sich die Materialien oder ganz praktisch Chargen, Montageteile und Fertigungsaufträge befinden, gibt es Tracking und Tracing-Funktionen im MES. Die Realisierung erfolgt meistens in Form von Barcode-Lösungen oder manchmal sogar mit Beacons, die in Wareneingänge, Arbeitsgänge oder an den Transportmitteln der Intralogistik integriert werden. Den goldenen Abschluss bildet meistens die Produktdokumentation, die alle für die Auslieferung des Produktes notwendigen Nachweise, Zeugnisse und Zertifikate enthält. Tracking und Tracing umfasst folgende Kernfunktionen:

  • Serien- und Sachnummernverwaltung
  • Chargen- und Losdatenerfassung
  • Chargen- und Losdatenverfolgung
  • Produktdokumentation

Technologie-, Rezepturen- und Einstelldatenmanagement – Prozesse und Maschinen richtig parametrisieren

Die Einstellung von Maschinen, Anlagen und Rezepturen hat einen großen und vor allem qualitätsrelevanten Einfluss auf das Endprodukt. Und da man die Maschinen selbst oftmals auf dem freien Markt kaufen kann, können diese Daten sogar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz darstellen – der Fünfminutenvorsprung, wie man so schön sagt. Die für die Produktion verwendeten Technologien, Rezepturen und Parameter werden zudem gerne verwendet, um diese mit Prozessstabilität, Qualität, Fehlerquoten und Ausfallzeiten in Korrelation zu setzen. Die einzelnen Funktionen umfassen:

  • Technologie-, Rezepturen- und Parameterverwaltung
  • Technologie-, Rezepturen- und Parameternachverfolgung
  • Technologie-, Rezepturen- und Parameterüberwachung

Personalmanagement – Die richtigen Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt

Irgendjemand muss ja in der Produktion die Arbeit machen. Nun ja. Zumindest, wenn er die richtige Qualifikation hat und sich nicht gerade im Urlaub befindet. Die wichtigsten Funktionen in diesem Zusammenhang sind:

  • Personalstammdaten
  • Personalzeiterfassung
  • Personalzeitwirtschaft
  • Personaleinsatzplanung
  • Zutrittskontrollsysteme

In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich in einer MES-Lösung nur produktionsnahe Daten, z.B. spezielle Zusatzqualifikationen oder Rollen, innerhalb der Produktion zu erfassen. Alles andere sollte dann doch in einer Software-Lösung der Unternehmensleitebene erfolgen. Denn schließlich haben sich in diesem Bereich zahlreiche Dienstleister spezialisiert und bieten z.B. Lösungen mit SAP HCM an – nichts für ungut. Hinzukommt, dass Arbeitszeiten und Löhne eine starke Abhängigkeit zu Controlling, Buchhaltung und Co. haben und da ist SAP ERP nun mal die unangefochtene Nummer 1 der Software-Systeme.

Energiemanagement – Der Umwelt und dem Geldbeutel zuliebe

Energie ist in den letzten Jahren zu einem großen Kostenfaktor herangewachsen, den Sie unbedingt im Auge behalten müssen. Die gute Nachricht: Die Erfassung und Verwaltung von Energiedaten lässt sich mit Hilfe moderner Messtechnik sehr gut durch MES-Lösungen abbilden und automatisieren, da sie eine Reihe von Energiemanagement-Funktionen realisieren können:

  • Energiestammdatenverwaltung
  • Energieverbrauchserfassung
  • Energiemonitor, -verbrauchsanalyse und ggf. -abrechnung

Qualitätsmanagement und -sicherung – Mehr Kundenzufriedenheit und weniger Reklamationen

Im immer enger werdenden Wettbewerb mit der Konkurrenz, müssen deutsche Unternehmen vor allem mit Qualität punkten, denn den Preiskampf haben schon längst Konkurrenten aus China und anderen asiatischen Ländern gewonnen. Dabei geht es schon längst nicht nur um die Sicherstellung der Produkteigenschaften, sondern auch um die Einhaltung von Normen, wie z.B. die ISO 9001, oder gesetzlichen Richtlinien. Für Ihre MES-Lösung bedeutet dies, dass Sie zum einen Qualitätsprüfungen durchführen und dokumentieren müssen und zum anderen für Ihre Kunden entsprechende Berichte in Form von Produktdokumentationen, Zertifikaten, Zeugnissen oder zumindest Berichten bereitstellen. Und für den Fall, dass Sie Qualitätsprobleme in der Produktion identifizieren, sollte natürlich auch eine Ursachenforschung möglich sein. Qualitätsmanagement-MES-Module bzw. das CAQ (Computer Aided Quality Assurance) bieten genau dafür die passenden Funktionen:

  • Erstmusterprüfung
  • Warenein- und -ausgangsprüfungen
  • Fertigungsbegleitende Qualitätsprüfungen
  • Reklamationsmanagement
  • Prüfplan- und Prüfmittelverwaltung

Beispiele für unternehmensspezifische Module

Über die vorgestellten MES-Funktionen hinaus gibt es in der Regel immer auch Module, die individuell für das jeweilige Unternehmen entwickelt wurden. Dies betrifft meistens spezielle Anwendungsfälle, die von der integrierten Datenbasis einer MES-Lösung profitieren, um beispielsweise durch den Abgleich von Stammdaten, Prozesse zu validieren und zu verhindern, dass es zu einer falschen Durchführung von Fertigungsaufgaben kommt. Damit verschmilzt eine MES-Lösung häufig auch mit der Ausführungsebene der Fertigung. Eine Anwendung für einen Montagearbeitsplatz, um mit Hilfe von Artikelstammdaten zu verhindern, dass ein falsches Montageteil verbaut wird, ist ein gutes Beispiel für eine solche Software-Lösung. Erfolgt dann auch noch eine Sperrung des Montagesystems, z.B. eines Schraubsystems oder eine automatische Parametrisierung des Drehmoments, ist die Verschmelzung mit dem Shopfloor perfekt. Hier sei auch noch erwähnt, dass die Kategorisierung eines MES als reine Software-Lösung für die Fertigungsleitebene eher als Orientierung gedacht ist. Am Ende kommt es schließlich immer auf den Mehrwert der Anwendung an.

Das Märchen vom Standard-MES

Individuelle Produkte und Produktionsabläufe = individuelles MES

Die groben Funktionen eines MES sind zwar durchaus standardisiert, allerdings gibt es nicht die eine MES-Software-Lösung. Macht ja auch Sinn. Sonst gäbe es ja nicht tausende Anbieter und Dienstleister. Der Hauptgrund ist offensichtlich: Es gibt einfach sehr viele verschiedene Industriezweige und Betriebe, die sich in ihren Produktions-Technologien und -abläufen unterscheiden.

Anderer Produktions-Betrieb, andere Sitten

Klar, die Produktion eines Folienherstellers sieht logischerweise ganz anders aus als bei einem Betrieb der Bremssysteme fertigt. Teilweise treten aber auch große Unterschiede aufgrund historisch gewachsener Strukturen und regionaler Unterschiede sogar innerhalb mehrerer Betriebe des gleichen Unternehmens auf, obwohl sie dasselbe Produkt herstellen, z.B. aufgrund:

  • der Organisation, z.B. Lean Produktion vs. Massenfertigung
  • des Maschinenparks
  • der eingesetzten Software-Lösungen, wie ERP, BDE oder PPS
  • der regionalen Zulieferer
  • ggf. gesetzlicher oder vertraglicher Besonderheiten

Und da eine gute MES-Lösung sich an die Produktion anpasst und nicht umgekehrt, investieren viele Unternehmen auch gar nicht erst Monate oder sogar Jahre, um sich irgendeine vermeidliche Standard-MES-Lösung anzuschaffen, die sie krampfhaft an ihre Produktionsprozesse anpassen und für die sie auch noch Lizenzkosten bezahlen müssen – wohlbemerkt, nachdem man mehrere zehntausende Euro in dessen Customizing gesteckt hat.
Kurz: Echte Standard-Lösungen gibt es für ein MES nicht, es gibt höchsten Software-Lösungen, die mal mehr und mal weniger weit entfernt sind von dem, was Sie vorhaben. Um zu einer MES-Lösung zu kommen, müssen Sie entweder fleißig konfigurieren oder entwickeln lassen.

Von der MES-Software zur MES-Lösung

Wie Sie ein MES für Ihre Produktion entwickeln

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, ein Hello-World-Programm keinen Softwareentwickler und eine MES-Software ist noch lange keine MES-Lösung. Warum? Bevor Ihre Produktion wirklich von der Einführung eines solchen Systems profitiert ist einiges an Vorarbeit zu leisten:

  • Anforderungsanalyse: Sie müssen die Arbeitsgänge bzw. Prozesse Ihrer Produktion und deren Informationsbedarf ausfindig machen.
  • Im Idealfall können Sie einen Anwendungsfall identifizieren, bei dem besonders der Schuh drückt. Das können z.B. hohe Durchlaufzeiten aufgrund fehlender, unvollständiger oder zu langsam bereitgestellter Daten sein oder Qualitätsmängel, denen man mit einer Datenvalidierung begegnen kann, um Fehlerquoten zu senken. Konkrete Anwendungsfälle – wenn sie nicht zu klein sind – dienen vor allem dazu einen Big Bang zu vermeiden und die wirtschaftliche Kontrolle zu sichern.
  • Beschaffung, Einrichtung oder Entwicklung. Jetzt heißt es für Ihre MES-Lösung: Mit einem MES-Produkt als Basis starten und ggf. mit einem Customizing anpassen oder von Anfang an die MES-Lösung entwickeln lassen.
  • Wenn Ihre MES-Lösung funktional alles enthält, was Sie sich bis dato vorgestellt haben, geht es in die Inbetriebnahme. Nun zeigt sich wie gut Ihre MES-Lösung wirklich ist.
  • Wartung und Support: Egal, ob Sie MES-Software von einem Hersteller kaufen oder von einem Dienstleister entwickeln lassen, es wird zu dem einen oder anderen Fehler kommen. Ob nun durch falsches Benutzen Ihrer Produktionsmitarbeiter oder eines Software-Fehlers, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall sollten Sie sich jetzt auf die Unterstützung Ihres Dienstleisters verlassen können. Aber hoffentlich nicht zu oft, denn die Kosten für die Wartung Ihrer MES-Lösung stellen nun mal langfristig den größten Kostenblock dar.
  • Weiterentwicklung: Denken Sie ja nicht, wenn Ihr MES einmal läuft, dass Sie sich nicht mehr darum kümmern müssen und die Füße hochhalten können. Denn neue Normen, Kundenwünsche, Produkte oder Änderungen im Produktionsablauf, z.B. im Rahmen einer Lean Management-Maßnahme beeinflussen natürlich auch das Informationsmanagement der Produktion und damit auch Ihr MES. Ihre MES-Lösung sollte entsprechend leicht erweiterbar sein – auch ohne Produkt-Experten, die man monatelang wie Goldstaub suchen muss.

Drei Dinge sollten Sie also mitnehmen:

1.) Die Methodik macht’s

Eine MES-Software alleine ist noch keine Lösung. Insbesondere im Hinblick auf die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit bedarf es einer hinreichenden Anforderungsanalyse, die Optimierungspotentiale, z.B. zur Minimierung der Durchlaufzeiten oder Umlaufbestände, offenlegt. Da kommen alte Bekannte, wie TPS oder Lean Produktion, wie gerufen, die eine wunderbare Quelle für konkrete Prinzipien und Methoden darstellen.

2.) Die größten Kosten entstehen bei einem MES entlang des Lebenszyklus

Sie können davon ausgehen, dass eine MES-Lösung aufgrund ihrer Mächtigkeit und Vielseitigkeit Sie eine ganze Weile begleitet – nach unserer Erfahrung etwa 15 bis 20 Jahre. Da fallen die Kosten für die initiale Einrichtung oder Entwicklung eher marginal ins Gewicht. Das meiste Geld fließt in Wartung und Weiterentwicklung. Haben Sie Ihr MES von einem Hersteller erworben, fallen auch noch saftige Lizenzgebühren an. Wenn Sie hier Boden gut machen können, beispielsweise mit ausgereiften und effizienten Software-Technologien, wie z.B. .NET, und einem zuverlässigen Dienstleister, der Ihnen sogar den Quellcode hinterlässt, sparen Sie sich einiges.

3.) Eine MES-Lösung ist nie fertig

Auch in Sachen Software-Lösungen muss die Produktion von heute immer flexibler reagieren. Haben Sie sich jedoch eine proprietäre MES-Software angelacht, die nur von einem Dutzend Produkt-Gurus beherrscht wird, kann das zum Problem bei der Weiterentwicklung werden. Da hat man es mit einer MES-Lösung deren Quellcode man besitzt und die z.B. auf .NET-Technologien basiert, schon einfacher. Da können Sie aus tausenden spezialisierten Entwicklern wählen. Oder Sie fragen einfach mal uns, denn wir sind als Microsoft Partner nicht nur auf .NET spezialisiert, sondern auch nur einen Klick entfernt.

Noch nicht genug von MES-Software? – hier gibt’s mehr …

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