Was ist Retrofitting?

Wenn alten Maschinen neues Leben eingehaucht wird

Retrofitting kurz und knapp erklärt

Der Name ist beim Retrofitting Programm. „Retro“ steht etwa für „rückwärts“ und „fit“ für passen. Und genau das passiert auch: Als Retrofit bzw. Retrofitting wird nämlich das Umrüsten oder Nachrüsten von Altanlagen mit modernen Baugruppen, Betriebsmitteln oder Steuerungen bezeichnet. Eine alte (rückständige) Maschine wird somit sprichwörtlich fit für die Produktion von Heute gemacht. Und die Produktionsbetriebe haben auch allen Grund dazu, lieber auf ihr altes Eisen zu setzen und es frisch zu halten: 

  • Kosten: Eine Neubeschaffung kostet etwa dreimal so viel wie ein im Ergebnis vergleichbares Retrofitting. Ein Umbau der Halle oder eine aufwendige Projektierung der neuen Maschine ist nicht notwendig.
  • Firmenwissen: Das Wissen der Mitarbeiter und Anlagenfahrer behält seinen Wert – keine aufwendigen Schulungen, kein Anwerben neuer Fachkräfte. Die Prozesse an der Maschine bleiben weitestgehend gleich. Das reduziert Fehlerquoten und erhält den Wettbewerbsvorteil der Unternehmen.
  • Erhöhung der Wartbarkeit: Irgendwann sind keine Ersatzteile mehr für die Anlage vorhanden, da Sie aus dem Wartbarkeitszeitfenster fällt. Bei alten Baugruppen geht zudem das Wissen nach und nach verloren. Gibt’s es doch mal Probleme wird es teuer.
  • Energieeinsparungen: Aktuelle Komponenten weisen in der Regel auch einen deutlich reduzierten Energieverbrauch auf.
  • Qualität: Die Welt steht nicht still. Von den neuesten technischen Errungenschaften profitieren auch Altanlagen. Die Qualität der Produktion steigt.
  • Lebensdauer: Nachdem die alte Maschine hochgerüstet ist, kann sie viele weitere Jahre in Betrieb bleiben.
  • Digitalisierung, IoT und Industrie 4.0: Bedienbarkeit der HMI, Parametrisierung, Rezepturmanagement oder Arbeitsvorbereitung, z.B. bei einer CNC-Maschine, benötigen moderne Software. Außerdem gilt: ohne Daten keine Informationen und ohne Informationen keine Optimierung und auch kein Wissen. Über den digitalen Retrofit lassen wir uns aber später noch aus.

Volle Fahrt voraus für Digitalisierung

Der digitale Retrofit

Wissen ist Macht und nichts wissen macht nichts. Und Wissen stammt ja bekanntlich aus Informationen. Und Informationen erhält man …? Richtig! Aus Daten. Und hier hat man mit guter Software klare Vorteile: 

  • Mit Schnittstellensoftware können Sie eine Betriebsdatenerfassung durchführen.
  • Ausschuss und reklamierte Produkte lassen sich mit dem Maschinenzustand und Parametern korrelieren, z.B. mit Kraft, Druck, Temperatur und Zykluszeiten, um Fehlerursachen in Zukunft zu vermeiden.
  • Der Zustand von Betriebsmitteln und Bauteilen lässt sich mit Monitoring-Software überwachen, um rechtzeitig betroffene Komponenten auszutauschen und Ausfallzeiten zu vermeiden. Ein Beispiel ist die Detektion von Schäden in Getriebezahnrädern.
  • Die Bedienung der HMI kann durch Software wesentlich erleichtert werden. Das spart Trainingszeiten und macht das Anlernen neuer Mitarbeiter wesentlich entspannter. Ein großes Plus in Zeiten des Fachkräftemangels.
  • Informationen zu Aufträgen und Arbeitsgängen können direkt mit Maschinendaten verknüpft werden. Das erleichtert die Kostenkalkulation und Berechnung von Kennzahlen, wie beispielsweise der OEE.

Was aber tun, wenn eine alte Maschine keine oder nur unzureichende Software-Schnittstellen bietet? Dann hilft ihnen ein digitaler Retrofit. 

Die Möglichkeiten des digitalen Retrofittings 

Bedingt durch einen langen Lebenszyklus und durch die vielen kleinen Optimierungen an Baugruppen, Material oder ganzen Komponenten, beispielsweise in Form eines physischen Retrofits, entwickelt sich eine Anlage zunehmend zu einem Unikat. Deshalb gibt’s auch nicht die eine Standard-Lösung für einen digitalen Retrofit. Zum Glück muss man aber nicht von Null anfangen, sondern kann auf einige Best-Practices zurückgreifen: 

  • Austausch der Maschinen-IT-Infrastruktur: Sie tauschen alles aus was Ihre digitalen Pläne durchkreuzen könnte, wie Steuerungen (SPS), HMI (Human Machine Interface) und Sensorik. Auch alte Maschinen können mit moderner Automatisierungstechnik ausgestattet werden. Das ist eben die harte Tour und kann einen Rattenschwanz an Änderungen mit sich bringen, was natürlich auch Geld kostet.
  • IoT-Gateways: Sie kaufen sich einen kleinen zusätzlichen Industrie-PC, der als Mediator zwischen der alten und der neuen Welt vermittelt. Hier gibt es oftmals eine Reihe an Standard-Modulen, um Sensorik und Aktorik an ERP-, BDE- und Cloud-System anzubinden. Ein Beispiel wäre der Einsatz eines IoT-Gateways, um einen Modbus-Server zyklisch auszulesen und die erfassten Daten ihrerseits in eine SQL-Server-Datenbank zu speichern.
  • Individuelle Softwareentwicklung: IoT-Gateways sind häufig mit zusätzlichen Wartungs- und Lizenzkosten verbunden. Wenn Sie diese umgehen wollen, lassen Sie doch einfach eine moderne Schnittstelle, wie beispielsweise OPC-UA implementieren, die anschließend auf Ihrer alten Maschine läuft, z.B. auf dem bestehenden HMI-Rechner. Die etwas höheren Beschaffungskosten sind durch den geringeren Wartungsaufwand und Wegfall von Lizenzkosten schnell wettgemacht. Das Beste: Keine Umbauten, keine Ausfallzeiten, keine Zusätzlichen Industrie-PCs.

Sie sehen: Auch Ihre Altanlagen müssen keine digitalen Show-Stopper sein. Dank der individuellen Softwareentwicklung können Sie das digitale Fitnessprogramm sogar häufig mit minimalinvasiven Maßnahmen umsetzen. Wir sind schon gespannt, wofür Sie sich entscheiden!

Noch nicht genug von Retrofitting? – hier gibt’s mehr …

Alle Quellen zum Nachlesen

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie uns noch heute: